Die Güterwagen der albanischen Eisenbahnen

Dieser Artikel erschien 1998 im Rahmen einer Monographie der DGEG in "Eisenbahnen und Museen", Folge 44.

Die albanischen Eisenbahnen transportierten in ihren besten Zeiten 20.000 bis 25.000 t Güter pro Tag; nachdem 1981 der Anschluss an das internationale Netz über Titograd im damaligen Jugoslawien (heute Podgorica in Montenegro) hergestellt waren, wurden jährlich 180.000 -190.000 t über diese Verbindung befördert. Während der Revolution im Jahre 1990 fielen die Eisenbahnen zunächst - wie viele Staats­einrichtungen - dem Volkszorn zum Opfer, viele Fahrzeuge wurden zerstört. Dann ließ der Zusammen­bruch fast der gesamten Schwer­industrie, vielfach auf Zwangs­arbeit gegründet, den Güterverkehr auf heute 10.000 t im Monat schrumpfen. Das UNO-Embargo gegen Rest­jugoslawien brachte den internationalen Verkehr zum völligen Erliegen. Von den einstmals über 2.200 Güterwagen steht der größte Teil abgestellt auf den Nebengleisen der Bahnhöfe, zumeist beschädigt und geplündert.

Allgemeines

Die wechselhafte Nachkriegsgeschichte Albaniens hatte auch Einfluss auf die Zusammensetzung des Güterwagenparks. 1949 wurde Albanien Mitglied des COMECON, brach jedoch 1961 endgültig mit der Sowjetunion und unterhielt enge Beziehungen zur VR China, die jedoch in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre wieder abkühlten bis hin zur Einstellung der chinesischen Wirtschaftshilfe. So findet man bei den HSH zahlreiche chinesische Güterwagen, von denen heute nur noch die Kesselwagen im aktiven Dienst sind, ebenso aber Fahrzeuge aus den sonstigen osteuropäischen Ländern. Zuletzt wurden in nicht unbeträchtlicher Anzahl ausgemusterte Güterwagen von der DB und der SNCF übernommen.

RIV-Wagen

Die HSH hielten für den internationalen Verkehr zuletzt nur noch Waggons des Typs Ghs bereit. Es handelt sich ausschließlich um Fahrzeuge des UIC-Typs I französischen Ursprungs, seinerzeit gebraucht gekauft. Die meisten von ihnen stehen, zu einem großen Teil ihrer Wandplatten beraubt, auf dem Bahnhof in Librazhdë, dem Vernehmen nach auch in der Nähe der Grenze. Sie sind gleichzeitig die einzigen Güterwagen, die eine UIC-Beschriftung tragen, von wenigen Ausnahmen abgesehen: merkwürdigerweise zwei Arbeitswagen, abgestellt im BW in Shkodër. Einige wenige Exemplare des UIC-Standard-Typs I mit Bretterwänden, wie sie für den gesamten Ostblock in Rumänien gefertigt wurden, sind ebenfalls zu finden. Ein solcher Wagen steht beispielsweise völlig skelettiert in Tirana zwischen den Gleisen. Bei diesen Wagen könnte es sich allerdings auch um Fremdfahrzeuge handeln, die nach der Verhängung der Embargos gegen Restjugoslawien in Albanien zurückgeblieben sind.

Gedeckte Güterwagen

Auf verschiedenen albanischen Bahnhöfen stehen einige vierachsige gedeckte Güterwagen, wie sie in Breslau für fast alle OSShD-Verwaltungen gefertigt wurden. Sie sind größtenteils in miserablem Zustand. Vereinzelt finden sich auch Waggons offensichtlich westeuropäischen Ursprungs. Für europäische Verhältnisse ein gewöhnungs­bedürftiger Anblick sind die noch in einigen Exemplaren vorhandenen chinesischen Vierachser. Ferner findet man mindestens zwei verschiedene Typen von vierachsigen Schiebedachwagen, die jedoch ebenfalls allesamt nur noch Schrottwert haben.

Offene Güterwagen

Kohle und Mineralien gehörten zu den wichtigsten Transport­gütern der HSH, und sie werden auch heute noch befördert. Daher gibt es einen vielfältigen Park an Fahrzeugen für Schüttgüter. Im aktiven Dienst befindet sich nur noch eine einzige Type: Vierachsige Uall, Seitenkipper polnischen Ursprungs, wie man sie auch andernorts häufig findet. Sie sind gleichzeitig die einzigen Güterwagen, deren Beschriftung eine Typen­bezeichnung einschließt und eine Prüfziffer zu enthalten scheint. In einigen Exemplare sind ähnliche, jedoch hochbeinigere Fahrzeuge aus der DDR abgestellt (Hersteller "Wilhelm Pieck"). Ebenfalls aus der DDR stammen einige Vierachser mit Blechwänden, Boden- und Seitenklappen des DR-Typs OOr47, wie man sie vor allem durch das PIKO-Modell kennt; sie stehen demontiert in Perrenjas. In großer Zahl vorhanden sind Schüttgut­transporter mit Boden­klappen aus chinesischer Produktion. Sie sind ebenfalls nicht mehr im Betrieb. Diese Waggons sind die einzigen schwarz lackierten Fahrzeuge. Von der DB beschaffte die HSH 60 ausgemusterte Fals167, ferner Es040 und Tds928, von der SNCF kamen Fcs406. Alle diese Wagen, die zumeist in Durrës und Shkodër abgestellt sind, tragen noch ihre Originalbeschriftung einschließlich der Ausmusterungsangaben, die albanische Wagennummer wurde auf irgendeine freie Fläche gepinselt.

Kesselwagen

Neben den Uall sind Kesselwagen die einzigen Güterwagen, die heute noch gebraucht werden. Sie stammen zum größeren Teil aus der VR China, in geringerer Zahl aus Rumänien, Bulgarien und Polen. Die chinesischen Waggons sind - neben der Schraubenkupplung - auch mit einer Klauenkupplung ausgerüstet.

Tabelle: Das Nummernschema albanischer Güterwagen
NummerkreisBauart
1...2-achsige G-Wagen (soweit nicht UIC-beschriftet)
2...4-achsige offene, gedeckte, Schiebedachwagen verschiedener Bauart
3...Seitenkipper 4-achsig (soweit nicht 966 vorgestellt und Prüfziffer angehängt ist)
4...Zementsilowagen [41..], Kesselwagen (4-achsig) [45..]
5...O-Wagen zweiachsig
6...RR-Wagen
7...2-achsige Rungenwagen (Eigenbau)
8...Bodenklappen-OOt chinesische Bauart
9...Tieflader
10...4-achsige Rungenwagen (Eigenbau)
11...4-achsige Gedeckte (Eigenbau)
13...ex SNCF Fcs406
13...Selbstentlader 4-achsig (ex Fals167)
14...ex DB Tds
9663...mit Prüfziffer Seitenkipper

Sonstige Fahrzeuge

In dieser Rubrik konnten zwei Tieflader, ein sechs- und ein acht­achsiger, sowie ein Eisen­bahn­kran, Her­steller "TAKRAF", fest­gestellt werden. Außer­dem sind noch einige einzelne Fahr­zeuge offen­sicht­lich frem­den Ur­sprungs vor­handen, z.B. ein offener Zwei­achser auf einem deutschen Kriegs­güter­wagen-Fahr­gestell. Reich­lich vorhanden, aber offen­sichtlich derzeit nicht in Betrieb sind Zement­silo­wagen der gleichen Bauart, wie man sie, ein­ge­stellt bei PKP oder CD, auch auf deutschen Gleisen vor allem im Bei­tritts­gebiet häufig findet.

Selbstbauten

"Alles aus eigener Kraft!" Gemäß dieser Devise Enver Hoxhas, des albanischen Diktators von 1944 bis 1985, bauten die albanischen Eisen­bahnen auch eigene Güterwagen, und zwar sowohl zwei­achsige als auch vier­achsige Flach- bzw. Rungenwagen sowie vierachsige gedeckte. Bei den Drehgestellwagen beträgt die Rahmenlänge durchweg 19480 mm bei einer Breite von 2650 mm, der Dreh­zapfen­abstand 14600 mm. Die übrigen Maße divergieren. Den Gedeckten gibt es mit einer Seiten­wandhöhe von 2 m und 2,25 m. Die Türbreite variiert zwischen 2,4 und 2,55 m. Noch größer ist die Vielfalt bei den Rungenwagen: Kasten­stützen und Rungen wurde offensichtlich "nach Gefühl und Wellenschlag" angebracht, man findet Rungen aus U-Profilen 120 x 50 mm (die auch für die Kastenstreben der gedeckten Wagen benutzt wurden), aus Schienenstücken und aus Vierkantrohr, letztere auch als Drehrungen. Auch die Höhe der Stirnwände bei den Rungenwagen ist keineswegs einheitlich, ebenso findet man verschiedene Ausführungen der Seitenborde, sofern überhaupt welche vorhanden sind. Die Zweiachser sind bei 8 m Radstand 12,6 m lang, mit Bremserhaus 0,3 m länger. Die Breite beträgt etwa 2,7 m. Ein Teil hatte außerdem einen Aufbau, der auf eine Verwendung als Güterzugbegleitwagen oder als Bremsfahrzeug schließen lässt. Während die albanischen Güterwagen sonst rotbraun gestrichen sind, gibt es bei den selbstgebauten gedeckten einige gelbe Exemplare. Es ist jedoch nicht erkennbar, dass diese einem besonderen Zweck dienten. Vielleicht war vorübergehend die braune Farbe vergriffen...

Zukunft

Am 15.11.1996 wurde der Grenzverkehr zwischen Montenegro und Albanien offiziell wieder aufgenommen. Ob ein Verkehrs­bedürfnis entsteht, wird sich noch zeigen müssen, zumal die politische Lage in Bosnien und Restjugoslawien nach wie vor heikel ist. Im Rahmen der internationalen Wirtschaftshilfe für diese Region sind jedoch auch Lieferungen aus Albanien geplant (z.B. Bitumen), die der Strecke zwischen Shkodra und Podgorica zu neuem Leben verhelfen könnten. Auf der internationalen Verkehrswegekonferenz wurde die Herstellung einer Verbindung zwischen dem Adriahafen Durrës und Sofia beschlossen. Allerdings erfordert dieser Lückenschluss zwischen Pogradec in Albanien über Fiorina in Griechenland nach Skopje in Mazedonien einen 8 km langen Tunnel. Dadurch würde Mazedonien jedoch unabhängiger von seinem einzigen Eisenbahnzugang zum Meer in Thessaloniki, den Griechenland wegen der Namens­streitig­keiten lange blockiert hielt. Die Zukunft des inner­albanischen Güterverkehrs wird auch davon abhängen, ob sich für einige potentielle Versender, insbesondere die Minen, westliche Investoren finden. Die albanische Eisenbahnverwaltung geht davon aus, dass sie in Zukunft etwa 450 Güterwagen benötigen wird. Mit Ausnahme der heute noch aktiven Kesselwagen und Seitenkipper möchte man den übrigen, nicht mehr benutzbaren Park als Schrott ins Ausland verkaufen bzw. gegen ausgemusterte Wagen anderer Verwaltungen eintauschen. Alle diese Zukunftspläne der HSH sind natürlich nach den Unruhen des Winters 1996/97 zunächst Makulatur.

Albanische Güterwagen

Flagge Albanien
186111
Albanische Güterwagen
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1002
185925
1119
185926
1123
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1145
185927
1317
185901
2201
185900
2204
1859_0
2209
185513
2244
185023
2248
186017
2252
185303
2283
185022
2284
186200
2301
185120
2310
185335
2330
185222
2338
186010
2377
186008
2392
185211
2394
186201
3006
185017
3011
185426
3081
185214
3118
186205
3132
185828
3333
185829
3336
185630
3359
186137
4xxx
185037
4417
185270
4462
186129
4467
186130
4470
185709
4479
186013
4480
185116
4485
186014
4487
186015
4489
186133
4505
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4507
185728
4513
185721
4518
185113
4521
185713
4532
185710
ohne Nummer
186224
5587
185619
6052
185618
6076
186018
6633
185318
7702
186301
7718
185319
7748
185627
7777
185317
7820
185217
7833
1863_0
7843
186300
7844
186226
7854
186016
7881
185112
7904
186230
7907
186120
7913
186229
7916
186121
7918
185215
8060
185404
8063
185408
8084
185409
8100
185405
8151
185406
8171
185407
8178
186009
8516
185512
8530
1862_0
8821
185424
8912
185400
9101
186030
9102
186302
10003
186236
10048
186211
10052
185332
10058
185207
10065
186203
10068
185920
10082
185221
10098
185301
11011
185330
11024
186006
11028
186214
11040
185212
11042
186110
11043
185600
11047
185216
11053
186215L
11073
185025
11074
185209
12040
185425
12044
186132
12055
185220
12065
185019
13049
185035
13060
185714A
13063
185218
14003
185219
14013
186029
Kranwagen
185432
Embargo-Strandgut
185529
Embargo-Strandgut
186307
Embargo-Strandgut